Zwang

Viele Menschen üben bestimmte zwanghafte Handlungen aus, ohne dass ihnen dieses bewusst wäre. So gibt es beispielsweise Menschen, die jedes elektrische Gerät kontrollieren müssen, bevor sie das Haus verlassen können. Andere schauen mehrmals in der Handtasche nach, ob sie den Schlüssel auch wirklich eingesteckt haben. Wieder andere können das Haus nur zur vollen oder halben Stunde verlassen und eine weitere Gruppe ertappt sich ständig dabei, dass sie Dinge, die irgendwo herumliegen, schnell durchzählen müssen. Die harmlosere Form des zwanghaften Verhaltens kann also auch als kleine Marotte betrachtet werden, durch die sich die Betroffenen von anderen Menschen stark unterscheiden, die sie in ihrer Lebensführung aber nicht wesentlich beeinträchtigen. Anders verhält es sich, wenn der Zwang krankhafte Auswüchse annimmt oder gar zum Dauerbegleiter wird, der die Betroffenen daran hindert, ein erfülltes, glückliches Leben zu führen.

Bei Zwängen wird zwischen Gedanken und Handlungen unterschieden. Ein gedanklicher Zwang liegt vor, wenn der Betroffene wiederholt und anhaltend von bestimmten Vorstellungen oder Befürchtungen gequält wird. So befürchten manche Männer, sie könnten pädophile Neigungen entwickeln, obwohl hierfür keine tatsächlichen Anzeichen vorliegen. Mütter fürchten, sie könnten ihren Kindern etwas antun, ältere Menschen sorgen sich in übertriebenem Maße, sie könnten vergessen haben, den Herd oder die Kaffeemaschine auszuschalten. Zwangshandlungen liegen vor, wenn der Betroffene sich veranlasst sieht, bestimmte Handlungen ständig zu wiederholen, um damit beispielsweise eine vermeintliche Gefahr abzuwehren. Eine der bekanntesten Zwangshandlungen ist das häufige Händewaschen, das nicht mehr der Hygiene dient, sondern zu einem Ritual der Angstbewältigung geworden ist.

Zwangshandlungen und -gedanken verschwinden selten von selbst. Wer unter einem Zwang leidet und diesem nachgibt, erfährt stattdessen, dass er sich intensiviert und immer stärker das Leben dominiert. Doch auch Vermeidungsverhalten, Leugnen oder Verdrängen können dem Zwang nicht den Garaus machen. Einzig die klare Auseinandersetzung und Konfrontation mit dem Zwang und den zugrunde liegenden Angstvorstellungen kann Abhilfe leisten.

So wie zahlreiche Verhaltensweisen den Charakter einer Sucht annehmen, können sie auch zu Zwängen werden. Sowohl bei der Sucht als auch bei zwanghaftem Verhalten sollen negativ wahrgenommene Gefühle und Vorstellungsinhalte verdrängt und ein positiver Zustand erreicht werden. Doch in beiden Fällen ist der erreichte Zustand niemals von Dauer. Anders als bei der Sucht entsteht bei einem Zwang jedoch keine körperliche Abhängigkeit. Daher bestehen gute Chancen, die Störung zu heilen, sofern die zugrunde liegenden Konflikte erkannt und bearbeitet werden. Auch eine Verhaltenstherapie, die direkt bei einer Verhaltensänderung ansetzt, zeigt im Falle einer Zwangsstörung gute Erfolge.

Wer sich nicht sicher ist, ob seine Verhaltensweisen noch als „Marotte“ oder bereits als zwanghaftes Verhalten zu bewerten ist, kann dies im Rahmen einer telefonischen Beratung mit einem Psychologen abklären. Menschen, die sich für bestimmte Zwangsvorstellungen und -gedanken schämen, können ihre Hemmungen, psychologische Hilfe in Anspruch zu übernehmen, leicht überwinden, indem sie sich für die Beratung online entscheiden. Denn Zwangshandlungen beeinträchtigen selten nur das Leben des Betroffenen. Sie wirken sich häufig störend auf das gesamte soziale Gefüge in der Umgebung des Erkrankten aus. Und sie verhindern, dass dieser angstfrei und effizient einen bewussten Umgang mit seinen Gefühlen und seiner realen Umwelt erlebt.

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