Sucht

Sucht kann als eigenständige Erkrankung betrachtet werden. Sie kann zugleich als Symptom und Begleiterscheinung zahlreicher psychischer Erkrankungen auftreten, so zum Beispiel bei Borderline, Depression, Angststörungen, Mobbing, traumatischer Belastung und weiteren mehr. Auch die familiäre Sozialisation kann zu einer erhöhten Suchtbereitschaft führen. Daher sind die Ursachen der Abhängigkeit selten eindeutig zu benennen. Umso klarer lassen sich ihre Folgen aufzeigen: Verlust sozialer Bindungen und sozialer Abstieg, körperliche, geistige und psychische Selbstzerstörung. Neben die ehemalige Definition von Sucht als Substanzmissbrauch sind neuere Konzepte getreten, innerhalb derer die Abhängigkeit auch unabhängig von der Einnahme bestimmter Stoffe in bestimmten Verhaltensweisen erkannt wird. Daher ist es möglich auch exzessive Verhaltensausprägungen als Sucht zu bezeichnen (Arbeits-, Spiel-, Sex-, Computersucht).

Trotz zahlreicher Suchttheorien konnte bisher keine eindeutige Suchtpersönlichkeit nachgewiesen werden. Die Faktoren, die zur Suchtentstehung beitragen, sind ebenso vielfältig, wie die Charaktere, die sich der unterschiedlichen Substanzen bedienen. In erster Linie zeigt das Suchtmittel bekräftigende Wirkung dadurch, dass es dem Süchtigen hilft, unerwünschte Gefühle und Gedankengänge zu unterdrücken. Eine Reihe von Suchtmitteln wird zudem eingenommen, um bestimmte Erlebnisse und Gefühle zu provozieren oder zu intensivieren. Bei zunehmender Gewöhnung beziehungsweise Abhängigkeit kommt dann hinzu, dass die Nichteinnahme zu unangenehmen körperlichen Reaktionen führt. Diese sollen mithilfe einer erneuten Drogeneinnahme wieder verringert werden – und auf diese Weise schließt sich der Kreislauf der Abhängigkeit.

Die Gründe für die erstmalige Einnahme von Suchtmitteln müssen nicht in einer psychischen Störung liegen. Häufig ist es Neugier, die Faszination am Verbotenen, die besonders junge Menschen dazu bewegt, Alkohol oder Drogen einzunehmen. Während es in früheren Jahrhunderten ritualisierte Formen gab, in denen Jugendliche zum Beispiel an den kontrollierten Alkoholgenuss herangeführt wurden, fehlen diese gegenwärtig. Die Jugendlichen bleiben sich selbst überlassen und werden durch andere Gruppenmitglieder zu übermäßigem Konsum angehalten. Bei Medikamentenmissbrauch kann eine vorangehende Erkrankung oder Störung als Auslöser wirken. So führt zum Beispiel die häufige Einnahme von Schlafmitteln ebenfalls zum Einsetzen von Suchtphänomenen. Dabei gilt die Tablettensucht als eine der schwersten Suchterkrankungen überhaupt.

Neben Menschen, die von Substanzen abhängig sind, gibt es solche, die suchtähnliches Verhalten zeigen. Die ständig arbeiten müssen oder sich über ihre exzessive Spielsucht ruinieren. Allen Formen der Sucht ist gemeinsam, dass der Süchtige – sofern er sich die Abhängigkeit eingesteht – sich den Substanzen und Mitteln gegenüber als ohnmächtig erlebt. Das heißt, dass er sich außerstande sieht, aus eigener Kraft auf die Suchtmittel zu verzichten, auch wenn sie ihn körperlich und psychisch bereits in extremem Ausmaß geschädigt haben.

Abhängigkeit kann Folge psychischer Erkrankungen sein, Suchtmittel werden häufig eingesetzt, um psychische Störungen besser ertragen zu können. Dies gilt auch für Persönlichkeitsmerkmale, die gesellschaftlich zwar toleriert, aber nicht anerkannt werden, wie zum Beispiel Schüchternheit, Ängstlichkeit, Nervosität, Gehemmtsein. Doch ist der Preis, den Menschen zahlen, die ihre Hemmungen mithilfe von Suchstoffen überwinden wollen, hoch. Statt nach dem Suchtmittel zu greifen, lohnt es sich, den schwierigen, aber verheißungsvolleren Weg der psychologischen Aufarbeitung persönlicher Schwierigkeiten zu gehen. Denn nur ohne dauerhaften Gebrauch von Suchtmitteln lässt sich ein erfülltes Leben erreichen und genießen.

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