Sexualberatung

Obwohl unsere Gesellschaft sich als sexuell aufgeklärt versteht und es kaum noch ein Tabu gibt, das nicht gebrochen wird, erweist es sich für viele Menschen als schwierig, über persönliche sexuelle Probleme zu sprechen. Möglicherweise hängt dies aber gerade mit der Entgrenzung von Sexualität zusammen. Denn das Bild, das sich oberflächlich darbietet, das in Werbung und Medien unaufhörlich präsentiert wird, zeigt einen entspannten, lässigen Umgang mit Sexualität, ein Sexualleben, das bis ins hohe Alter hinein ohne Schwierigkeiten funktioniert.

Aber Menschen funktionieren nicht oder sollten dies zumindest in ihren privatesten Träumen und Räumen nicht tun (müssen). Sexuelle Probleme sind in der psychologischen Beratung keine Seltenheit. Sie umfassen alle Nuancen und Schattierungen: vorzeitige oder verspätete Ejakulation, Frigidität, sexuelle Vorlieben, für die die Betroffenen sich schämen, eine sexuelle Orientierung, die von der Gesellschaft oder der eigenen Lebensumwelt nicht akzeptiert wird. Die Liste scheint schier endlos. Hinzu kommen Probleme und Konflikte, die nur mittelbar als sexuelle erkannt werden. So etwa Partnerschaftsprobleme, Ehebruch und Untreue, Probleme überhaupt einen Partner zu finden, mangelnde Liebesfähigkeit und Bindungsängste. Aber auch frühkindliche traumatische Erfahrungen können sich auf die spätere erwachsene Sexualität störend auswirken. Alles in allem handelt es sich häufig um eine Mischung aus Ekel, Scham, Angst und Verwirrung, die in der Sexualberatung zum Ausdruck kommt.

Nicht jede Verwirrung und nicht jede Störung hat aber die Bedeutung einer schwerwiegenden Erkrankung. Zuweilen sind es nur das eigene Gewissen oder soziale Isolation, die aus einer Fantasie ein Verbrechen machen. Doch wissen wir aus der Psychoanalyse, dass eine gehemmte Sexualität, dass frustrierende libidinöse Erfahrungen zu ernsthaften Folgeerkrankungen führen können. In jedem Fall sollte daher eine psychologische Sexualberatung wahrgenommen werden, in der Betroffene sich ohne Hemmung, die sie gegenüber Freunden oder Bekannten empfinden würden, angstfrei aussprechen können. Viele Menschen erleben es zudem als vorteilhaft, wenn die Beratung am Telefon oder online erfolgt, da eine gewisse Anonymität erhalten bleibt und man nicht zusätzlich noch befürchten muss, „das Gesicht zu verlieren“.

Sexualberatung umfasst alle genannten Bereiche, kann aber als Lebensberatung auch zum Zwecke der Aufklärung oder Information genutzt werden. So können in der Beratung nicht allein sexuelle Problematiken, sondern auch Aspekte der Familienplanung besprochen werden. Auch geeignete Verhütungsmethoden oder Beratung bei ungewollter Schwangerschaft können Gegenstand der Gespräche mit ausgewählten Psychologen und Psychologinnen sein. Stellt sich im Laufe der Gespräche heraus, dass eine umfangreichere Problematik vorliegt, bei der weitere Störungen zu berücksichtigen sind, so kann das erste Gespräch auf Wunsch des Ratsuchenden auch in eine weiterführende Behandlung ausgedehnt werden. Denn Angst, Zwang oder Einsamkeit resultieren ebenso häufig aus frustrierenden oder traumatischen sexuellen Erfahrungen wie Lebenskrisen oder Panikattacken. Auch Suchtproblematiken hängen häufig mit einer verhinderten Triebbefriedigung zusammen. Für die Betroffenen ist es daher von besonderer Bedeutung, einerseits zu einer Lösung der zugrunde liegenden Probleme zu gelangen. Andererseits müssen sie häufig erst lernen, ihre angestauten sexuellen Energien angemessen und für sich selbst akzeptabel nach außen zu bringen, indem beispielsweise Wünsche auf direkte, aber freundliche Weise an den Partner herangetragen werden. Eine professionelle Sexualberatung kann auch auf diesem Gebiet äußerst sinnvoll sein.

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