Magersucht

Magersucht ist eine Form der Essstörung, die zumeist im jugendlichen Alter beginnt. Die in der Fachsprache als Anorexia nervosa bezeichnete Erkrankung wurde lange Zeit nur als psychosomatisches Symptom bezeichnet. Mittlerweile wird ihr der Charakter einer eigenständigen, unabhängig auftretenden Störung zugesprochen. Anorexia betrifft besonders häufig junge Mädchen und Frauen, in den vergangenen Jahren wurde allerdings auch eine Zunahme der Fälle bei jungen Männern festgestellt. Den Betroffenen ist gemein, dass sie unter einer starken Verminderung des Hungergefühls leiden, wobei dieser Verlust ursprünglich selbst angestrebt wurde. Denn die Essstörung resultiert unter anderem aus einer extrem verzerrten Selbstwahrnehmung, aufgrund derer sich auch stark untergewichtige Betroffene als unförmig und als „zu dick“ betrachten.

Dass die Magersucht regelmäßig in der Pubertät einsetzt, erklärt sich daraus, dass zu dieser Zeit auch besonders starke körperliche und hormonelle Veränderungen eintreten. Speziell junge Frauen erleben, dass ihr Körper weibliche Rundungen annimmt. Wird die eigene Weiblichkeit nicht akzeptiert oder negativ bewertet, so kann daraus leicht eine Ablehnung der eigenen Körperlichkeit entstehen. Andere erfahren in der Zeit der hormonellen und körperlichen Reifung auch ihre Gefühlswelt als chaotisch und streben auf dem Wege der Selbstkasteiung den vermeintlichen Rückgewinn an Kontrolle über den eigenen Körper und das eigene Leben an. Ein drittes auslösendes Moment für das Auftreten von Essstörungen liegt häufig darin begründet, dass Jugendliche auf ihre körperlichen Veränderungen mit Diätversuchen reagieren, die den bekannten Jojo-Effekt produzieren. Das heißt, auf die erfolgte Gewichtsabnahme erfolgt eine stärkere Zunahme, wegen der dann wieder eine Diät durchgeführt wird. Ein Teufelskreis setzt ein, ein Ausweg wird dann nur noch in der völligen Nahrungsverweigerung gesehen.

So vielfältig die Gründe und Motive für die erste Nahrungsverweigerung auch sein mögen, die übereinstimmende Erfahrung von Magersüchtigen besteht darin, dass sich die Krankheit schließlich verselbstständigt. Das heißt, der angestrebte Kontrollversuch misslingt. Stattdessen geraten die Betroffenen in einen weiteren Kreislauf, in dem sich ihr ganzes Leben nur noch um die Pole Essen und Hungern dreht. Diese Phase wird begleitet von wechselnden Gefühlen der Verzweiflung und der Euphorie. Bleibt die Magersucht unbehandelt, so treten in der Regel organische Folgeschäden auf, erfolgt keine Verhaltensänderung, so hungern sich Magersüchtige buchstäblich zu Tode. In vielen Fällen wird die Anorexia auch von weiteren psychischen Störungen beeinflusst, beziehungsweise stimmt mit diesen überein. So lässt sie sich auch als zwanghaftes Verhalten deuten und auch in Verbindung mit einer Borderline-Störung kann die Anorexia als Versuch der Selbstschädigung auftreten.

Magersucht und die krankhafte Angst vor Übergewicht gehören zu den Erkrankungen, für die eine psychologische Betreuung dringend erforderlich ist. Ab einem bestimmten Körpergewicht ist zudem die stationäre Unterbringung erforderlich. Doch auch nach erfolgreicher Behandlung bedürfen Magersüchtige häufig noch Rat durch erfahrene psychologische Berater, um nicht in alte Handlungsmuster zurückzuverfallen. Angehörige von Magersüchtigen, die in ständiger Angst und Verzweiflung leben, sollten sich ebenfalls um eine psychologisch fundierte Beratung bemühen. Denn ähnlich wie im Fall einer Suchterkrankung im Zusammenhang mit Alkohol oder Tablettenmissbrauch können auch bei Essstörungen leicht Strukturen der Co-Abhängigkeit entstehen. Hinzu kommt, dass Eltern und Betreuer von Magersüchtigen häufig mit starken Schuldgefühlen zu kämpfen haben und daher selbst dringend Hilfe und Zuwendung durch professionelle Berater benötigen.

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