Liebeskummer

Liebeskummer kann vielfältige Formen und Erscheinungsweisen annehmen. Manche Menschen erleben die Zurückweisung in Liebesdingen als leichten, vorübergehenden Schmerz. Andere ziehen sich eine Zeit lang völlig in sich zurück und werden von starken Selbstzweifeln geplagt. Eine dritte Gruppe kann den Schmerz über die Zurückweisung gar nicht überwinden und reagiert mit einem Suizidversuch. Und obwohl fast jeder Mensch schon einmal eine oder mehrere Formen des Liebeskummers erleben musste, wird die Störung selten als ernsthafte Erkrankung wahrgenommen.

Wie stark der einzelne Liebeskummer erlebt, hängt im Wesentlichen von seiner psychischen Stabilität und seine Einbettung in soziale Zusammenhänge ab. Wer in der Familie oder bei Freunden starken Rückhalt erfährt, ist weniger auf die Bestätigung durch andere angewiesen und kann mit Lebenskrisen besser umgehen. Wer hingegen schon früh im Leben auf sich selbst gestellt war, wem Zuwendung und Liebesbeweise durch die ersten Bezugspersonen verwehrt blieben, für den besteht ein größeres Risiko, dass er Situationen des Liebesentzugs oder der -Verweigerung als besonders belastend erlebt. Die vermeintliche Schmähung wird dann zu einer Erfahrung, die den früher bereits erlittenen Schmerz absorbiert. Die gesamte Situation wird als Wiederholung ein und derselben Zurückweisung durch geliebte Personen erlebt. Daher wird der Schmerz und das Erleben eines ständigen Mangels für manch einen zum unerträglichen Spannungszustand, dem er durch Selbstverletzung oder Suizid zu entgehen versucht.

Tritt Liebeskummer nicht nur als einzelne Episode auf, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben eines Menschen, so liegt ein Verweis auf eine tiefgründigere Störung vor. Statt in Selbstzweifeln und -ablehnung zu verharren, sollten sich Betroffene daher fragen, welche Gründe dazu führen, dass sie immer wieder Menschen mit ihrer Liebe erreichen wollen, bei denen dies auf Ablehnung stößt. Hierzu ist zunächst die Einsicht erforderlich, dass es keine liebensunwerten Individuen gibt. Das heißt, der Betroffene muss sich selbst als liebenswert wahrnehmen lernen und verstehen, warum seine bisherigen Bemühungen, einen Partner zu finden, erfolglos blieben. Dabei können verborgene psychische Erkrankungen ebenso eine Rolle spielen wie zwanghafte Ausrichtungen auf Partner, die nach bestimmten Mustern ausgewählt wurden, die mit dem eigenen Lebenswünschen letztlich nicht zu vereinbaren sind.

Als krankhafte Störung richtet sich Liebeskummer häufig gegen das eigene Selbst. Doch kann der Kummer auch andere Formen annehmen, in Hass und Gewalttätigkeit gegen das ehemalige Liebesobjekt umschlagen. Daraus resultieren dann beispielsweise Verhaltensweisen wie Stalking oder Cybermobbing, die von dem Wunsch geleitet werden, die Kränkung durch Zerstörung des anderen zu rächen. Damit verbunden ist der Versuch, der Opferrolle zu entkommen und selbst zum Täter zu werden. Doch müssen die Betroffenen selbst feststellen, dass sie nicht wirklich zu Akteuren ihrer eigenen Handlungen werden. Stattdessen fühlen sie sich nach wie vor ausgeliefert an ihre eigene Gefühlswelt, für deren Ausdruck ihnen keine adäquaten Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. In all diesen Fällen sollte daher eine professionelle Beratung aufgesucht werden, sei es in Form einer Lebensberatung oder in Form einer Gesprächstherapie. Nur dadurch lässt sich sicherstellen, dass keine der betroffenen Parteien ernsthaften Schaden erleidet und der übergroße Kummer auf lange Sicht die gleiche intensive Behandlung erfährt wie etwa eine Trauerbewältigung beim Tod eines nahen Angehörigen.

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