Kognitive Verhaltenstherapie

Kognitiv sind alle Prozesse, die zur bewussten Wahrnehmung und Erkenntnis unserer Umwelt beitragen. Kognitive Wahrnehmungen werden dem Gedächtnis eingeprägt. Durch Verknüpfungen bilden sich Systeme aus, an denen sich das Denken und Handeln eines Menschen orientiert. Die kognitive Wahrnehmung und Verarbeitung der Wahrnehmungsinhalte unterliegt bestimmten Lernprozessen. Ihr Medium ist insbesondere die Sprache, ohne die eine bewusste Verarbeitung von Wahrnehmungsinhalten kaum möglich wäre. Die kognitive Wahrnehmung und die damit verbundenen Lernprozesse können zu Störungen führen, die sich beispielsweise als Zwangserkrankungen oder Phobien äußern. Durch eine kognitive Verhaltenstherapie sollen dann neue Verhaltensweisen erlernt werden, die eine Neuorientierung und adäquate Bewertung bestimmter Objekte und Situationen ermöglichen.

Die Art, wie wir Wahrnehmungen verarbeiten und bewerten, die Art unseres Denkens beeinflusst wesentlich auch unsere Selbstwahrnehmung. So jedenfalls sieht es die kognitive Verhaltenstherapie. Den Inhalten kommt dabei – je nach Ausrichtung – untergeordnete Bedeutung zu. Deutlich wird dies an einer Reihe psychischer Störungen und Erkrankungen, mit denen eine Wahrnehmungsstörung verbunden ist. Dies ist beispielsweise bei Angststörungen, Phobien oder Panikattacken der Fall. Aber auch depressive Verstimmungen oder Ess-Störungen sind regelmäßig mit einer gestörten Selbstwahrnehmung verbunden. Die Betroffenen haben bestimmte Bewertungskriterien erlernt und akzeptiert, die sie in ihrer Selbstfindung und Autonomie beeinträchtigen. Um die Störung heilen zu können, ist es notwendig, dass sie diese Denkstrukturen erkennen und ersetzen lernen.

Das Ziel der kognitiven Verhaltenstherapie lässt sich daher als Korrektur von Denk- und Wahrnehmungsprozessen beschreiben, die einer subjektiven Bewertung entstammen und dem Individuum Schaden zufügen. Eine Magersüchtige, die sich selbst als zu dick wahrnimmt, ein Phobiker, der angesichts einer Fliege in Panik gerät, ein Zwangserkrankter, der auf jede Berührung mit der Angst vor Infektion reagiert – all dies sind Beispiele für eine gestörte Wahrnehmung, die mit einer Fehlinterpretation der realen Situation einhergeht. Diese Fehlhaltung kann durch reines Argumentieren nicht beseitigt werden. Im Gegenteil: Menschen, die an einer Phobie oder einer Zwangserkrankung leiden, wissen in der Regel, dass ihre Wahrnehmung gestört ist. Doch haben sie bestimmte Schemata erlernt, die sich zunächst als stärker erweisen als Aufklärung und Information.

Aus der Praxis des Spracherwerbs ist das Phänomen der „Übergeneralisierung“ bekannt. Dies bedeutet, dass Kinder bestimmte grammatische Regeln ohne explizite Erklärung aufnehmen und umsetzen. So lernen sie beispielsweise, dass der Plural von „Tisch“ durch das Anfügen des Buchstabens e gebildet wird. Wird diese Regel übergeneralisiert, so werden auch falsche Pluralformen auf diese Weise gebildet (Autosse statt Autos). Ähnlich verhält es sich im Falle einer gestörten kognitiven Verarbeitung. Wurden bestimmte Wahrnehmungsinhalte und Denkstrukturen unbewusst übernommen, so werden sie generalisiert und auf andere Erfahrungen übertragen: Wer einmal gelogen hat, ist immer ein Lügner. Eine Situation, die eine Panikattacke ausgelöst hat, wird dies auch in Zukunft wieder tun. Weitere Probleme in der Verarbeitung von Kognitionen treten hinzu und verschärfen das Problem. Da es sich dabei im Wesentlichen um assoziative, willkürliche Schlussfolgerungen handelt, kann die logische Argumentation an dieser Stelle nicht greifen.

Die kognitive Verhaltenstherapie setzt daher bei einer Verhaltensänderung an. Diese kann zunächst in der Vorstellung erfolgen. Die Betroffenen setzen sich dann intensiv mit Situationen oder Objekten auseinander, die ihnen Angst bereiten oder bestimmte negative Denkmuster auslösen. Sie lernen, diese neu zu bewerten und einer Konfrontation in der Realität nicht mehr auszuweichen. Über die Verhaltensänderung soll somit die gedankliche und emotionale Einstellung verändert werden. Konkrete Bewältigungsstrategien wie zum Beispiel Entspannungstechniken dienen zusätzlich dazu, unerwünschte körperliche Spannungszustände zu verringern.

Glossar

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