Angst

Angst ist ein Gefühl, das jeder kennt. Als Realangst ist sie an das Auftreten einer Gefahr oder einer Bedrohung für Leib und Leben gebunden. Sie äußert sich in körperlichen Symptomen wie zum Beispiel Atembeklemmungen, Herz- und Pulsrasen, Schweißausbrüchen, Erröten oder Unruhe. Der Mensch reagiert damit auf Situationen, in denen ein Fluchtimpuls eintritt, der biologisch vorgeformt ist. Von diesen Urängsten unterschieden werden jedoch Formen der neurotischen Angststörung oder der Phobie. Eine Angststörung kann allein oder in Zusammenhang mit anderen psychischen Erkrankungen auftreten, etwa als Folge von Mobbing, als übermäßige Prüfungsangst oder ausgelöst durch Stress oder Sucht. Auch das Auftreten von zwanghaftem Verhalten geht häufig mit einer Angsterkrankung einher. In all diesen Fällen ist die Angst nicht mehr an eine reale Bedrohung gebunden, sondern Resultat einer psychischen Erkrankung.

Welche Art von Angsterkrankung zugrunde liegt, lässt sich nur in der intensiven Klärung der Vorgeschichte herausfinden. Sigmund Freud benannte drei Formen der Angsterkrankung, nämlich die Erwartungsangst (Neurose), die Phobie und die Angsthysterie. Freud deutete diese Angstformen als Ergebnis einer Verdrängungsleistung. Ängste würden demnach – kurz gefasst – auf dahinter liegende Wünsche verweisen. So könnte etwa eine heftige Gewitterangst eigentlich auf die Sehnsucht nach Schutz und Zuwendung deuten. Letztendlich kann jedoch nur der Betroffene selbst durch die entsprechende Erinnerungsarbeit in der Therapie oder Beratung an die Wurzeln seiner Ängste gelangen.

Das Gefühl der Angst kann Betroffene in der gesamten Lebensführung beeinträchtigen. Isolation, Einsamkeit und der fehlende Kontakt mit der Realität können die Angststörung dann zusätzlich nähren. Doch auch einzelne Situationen können als angstbesetzt erlebt werden. So etwa die Fahrt durch einen Tunnel, das Aufkommen von Gewittern, die Begegnung mit anderen Menschen. Auch Tiere können besondere Angstfantasien auslösen, so etwa Spinnen, Schlangen, Ratten oder Mäuse. Der Übergang zwischen Realangst und Angstneurose oder Phobie ist häufig fließend. Denn während es durchaus sinnvoll ist, vor Giftschlangen ängstlich zurückzuweichen, erweist sich das hysterische Meiden von Situationen oder Objekten als wenig rational. Auch kann Aufklärung über die wahren Gefahren und die Möglichkeiten, diese zu handhaben, hier in der Regel wenig bewirken. Im Gegenteil kann eine zu starke Fokussierung auf das Problem noch dazu führen, dass es in der Fantasie der Betroffenen eine beständig wachsende Dimension annimmt.

Angst geht mit den Gefühlen der eigenen Schwäche und Hilflosigkeit einher. Es fehlt an Handlungsstrategien, der Betroffene empfindet sich selbst als inkompetent, die Situation zu meistern. An genau diesem Punkt setzt die Angsttherapie ein. Das bedeutet, dass der Betroffene sich zunächst in der Vorstellung in genau die Situationen begibt, vor denen er sich fürchtet. Das Mobbingopfer beispielsweise sucht in Gedanken Plätze und Personen auf, an und von denen ihm das Unrecht widerfuhr. Wer seiner Ängste durch einen Zwang Herr werden wollte, wird lernen, zuerst den Zwang abzulegen und dann die damit einhergehenden Ängste auszuhalten. Wer aufgrund eines Traumas immer wieder in angstbesetzte Situationen gerät, wird sich der traumatischen Erfahrung in der Erinnerung stellen, um wahrzunehmen, dass er einer solchen Situation hier und jetzt nicht mehr hilflos ausgeliefert ist. Angststörungen sind für die Betroffenen selbst allein kaum zu bewältigen. Es bedarf der psychologischen Betreuung und Formen der Gesprächs- oder der Verhaltenstherapie.

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